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KAUTABAK GESTERN UND HEUTE

Grimm & Triepel auf der Messe.

Zu Zeiten der Entdeckungsreisen von Christoph Columbus kauten die Indianer bereits Tabak, der mit Muschelkalk vermischt war. Der erste Kautabak in Europa wurde um 1600 in England konsumiert.

Insbesondere Seemänner suchten wegen ihres Rauchverbots auf den leicht brennbaren Schiffen aus Holz nach einer Alternative für Zigaretten. Die Lösung für sie war der Konsum von Kautabak oder Priem (prium= niederländisch: Pflaume; da die Kautabakstücke in Form der Pflaume ähneln). Im 30-jährigen Krieg fand der Kautabak auch in Deutschland Einzug, eine industrielle Herstellung fand jedoch erst zwischen dem 18. und 19. Jahrhundert statt.

Während in den USA ein regelrechter Smokeless Tobacco Boom einsetzte, wurde diese Entwicklung in Europa unter anderem durch eine sehr restriktive Gesetzgebung verhindert. Kautabakproduktionen konzentrierten sich in Deutschland auf Nordhausen im Südharz, wo sich auch das Werk von Grimm & Triepel befand. Seit der Produktionseinstellung von Grimm & Triepel Kruse wird Kautabak in Europa nur noch in England, Dänemark und Schweden produziert.

Die handwerklichen Fertigungsmethoden von Grimm & Triepel wurden bereits im 19. Jahrhundert bewundert. Auch im 20. Jahrhundert weckte die Grimm & Triepel Kruse Kautabak GmbH mit Standort in Witzenhausen / Unterrieden stets das Interesse der Medien. Neben zahlreichen Berichten in der regionalen, überregionalen und ausländischen Presse erschienen auch interessante Beiträge in Radio und Fernsehen.

Im Jahr 1999 strahlte das Bayrische Fernsehen in der Reihe „Der Letzte seines Standes“ einen 30-minütigen Film über die Herstellung von Kautabak in der Firma Grimm & Triepel aus.

  • Deutschlands letzte Kautabak-Fabrik

Kautabak wird nicht – wie sein Name vermuten lässt – gekaut, sondern zwischen Kiefer und Wange gelegt, bis er durch den Speichel ausgelaugt ist. Dann wird er augespuckt. Für die Überbleibsel das Kautabaks standen früher Spucknäpfe aus Messing zur Verfügung.

Die Herstellung von Kautabak ist relativ zeitintensiv. Traditionell besteht er aus verarbeiteten, nikotinhaltigen Tabakblättern, die für mehrere Wochen eingelagert und mit Saucen durchtränkt werden. Grimm & Triepel Kautabak wurde vornehmlich aus besten Kentucky-Tabaken hergestellt. Seine unterschiedlichen Geschmacksrichtungen verdankt er der feinen Saucierung.

Kessel, in denen die Saucen für den Tabak gerührt werden.

Die Saucen enthielten u. a. Fruchtessenzen aus Apfelsinen, Zitronen, Pflaumen, Rosinen, Feigen, sowie Honig, Traubenzucker, Kandissirup und Lakritze oder Mint-Menthol. Durch aromatische Gewürze, Jamaica-Rum, Samos- und Madeira-Wein wurde der Geschmack abgerundet.

Damit der Tabak an Geschmack gewinnt, wurde der aufbereitete Rohtabak mit den feinen Saucen durchtränkt. In acht- bis zwölfwöchentlicher Behandlung und Lagerung erfuhr der aus Einlage und Deckblatt versponnene Tabak seine volle Geschmacksreife.

Mitarbeiterin beim Verpacken des Kautabaks

Das Produkt Priem-Stick® wurde speziell für die modernen, feineren Geschmacksrichtungen entwickelt. Die Tabastücke waren kleiner und dünner als beim Hanewacker Nr. 5. Auf der Grundlage eines jungen und sehr milden Tabaks wurden Saucierung in den Geschmacksrichtungen Orange, Lakritze oder Mint-Menthol gewählt. Verpackt wurde der Priem-Stick, wie auch die anderen Produkte von Grimm & Triepel, traditionell in einer nostalgischen Pappschachtel.